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Anti-Aging

MK-2866

Auch bekannt als: Ostarine, Enobosarm

Selektiver Androgen-Rezeptor-Modulator. In klinischen Studien für Muskelschwund untersucht. Nicht-Peptid, oral aktiv.

MK-2866

Was ist MK-2866

MK-2866 ist ein selektiver Androgen-Rezeptor-Modulator (SARM), bekannt unter dem Forschungsnamen Ostarine und dem internationalen Freinamen Enobosarm. Es ist chemisch ein nicht-steroidales kleinmolekulares Compound, kein Peptid. Streng genommen passt MK-2866 deshalb nicht in eine Peptid-Datenbank, wird aber im Forschungs-Use-Markt parallel zu Peptiden vertrieben und ist in der Authority-Recherche relevant.

Ursprünglich entwickelt von GTx Inc. zur Behandlung von Sarkopenie und Muskelschwund bei Krebspatienten. Heute fortgeführt von Veru Inc. als Onkologie-Adjuvans. Mehrere klinische Phase-3-Studien wurden abgeschlossen, eine arzneimittelrechtliche Zulassung gibt es bisher nicht.

CAS-Nummer: 841205-47-8. Molekulargewicht: 389,34 g/mol. Chemisch ein Aryl-Propionamid-Derivat.

Wirkmechanismus

SARMs binden den Androgen-Rezeptor selektiv, das heißt mit unterschiedlicher Affinität in verschiedenen Geweben. Klassische Anabolika wie Testosteron aktivieren den AR in allen Geweben gleichermaßen, was zu unerwünschten Nebeneffekten in Prostata, Haar, Haut und Lipid-Profil führt.

MK-2866 zeigt eine starke Affinität zum AR in Muskel und Knochen, aber eine geringere Aktivierung in Prostata und Haut. Dadurch entsteht theoretisch ein günstigeres Nutzen-Risiko-Verhältnis: anabole Wirkung ohne klassische androgene Nebeneffekte. In der Praxis ist diese Selektivität graduell, nicht absolut.

Die Bindungs-Affinität ist hoch, die intrinsische Aktivität am AR partiell. Das erklärt, warum MK-2866 weniger potent ist als Testosteron, aber dosis-effektiv. Die Hemmung der körpereigenen Testosteron-Produktion (Suppression der HPG-Achse) tritt dennoch auf, insbesondere bei höheren Dosen oder längerer Anwendung.

Anwendungsgebiete in der Forschung

  • Krebs-bedingte Kachexie: Hauptindikation in den ursprünglichen GTx-Studien
  • Sarkopenie bei älteren Erwachsenen: Erhalt von Muskelmasse und Kraft
  • Stressfrakturen und Knochenheilung: Erhalt der Knochendichte
  • AR-positives Mammakarzinom: Veru-Programm, klinische Studien laufend
  • Muskeldystrophie und chronische Muskelschwundsyndrome: Frühe Studien
  • Post-OP-Rekonvaleszenz: Hüftfraktur-Studien

Studienlage

MK-2866 ist einer der am besten untersuchten SARMs. Mehrere Phase-2- und Phase-3-Studien sind publiziert.

Wichtige Arbeiten:

  • Dalton et al. (Journal of Cachexia, Sarcopenia and Muscle, 2011): Phase-2-Studie bei Krebspatienten mit Kachexie, signifikante Steigerung der fettfreien Masse und Treppensteig-Leistung
  • Dobs et al. (Lancet Oncology, 2013): Phase-2-Studie bei Krebskachexie, ähnliche Ergebnisse
  • POWER-1 und POWER-2 (Phase 3): GTx-Studien bei NSCLC-Patienten. Primärer Endpunkt fettfreie Masse erreicht, funktionelle Endpunkte (Treppensteigen) verfehlt. FDA verweigerte daraufhin die Zulassung
  • Veru-Studien laufend: Enobosarm bei AR-positivem Mammakarzinom (Phase 3 ARTEST)

Was klar ist: MK-2866 erhöht die Muskelmasse messbar, im Bereich von 1 bis 3 kg in 3 bis 6 Monaten je nach Dosis und Patient. Was unklar bleibt: ob diese Steigerung in klinisch relevante funktionelle Verbesserungen übersetzt. Die FDA hat dieses Übersetzungs-Problem als Grund für die Zulassungs-Ablehnung explizit benannt.

Anmischen (Reconstitution)

MK-2866 ist oral aktiv, kein klassisches Anmischen wie bei Peptiden. Übliche Darreichungsformen:

  • Pulver, abgewogen über Feinwaage
  • Lösung in MCT-Öl, Ethanol oder PEG-400
  • Vorgefertigte Tropflösungen typisch 25 mg/ml
  • Kapseln 5, 10, 15, 25 mg

Lagerung dunkel, kühl, dicht verschlossen. MK-2866 ist chemisch stabil über Monate bis Jahre bei Raumtemperatur, fern von Licht.

Dosierungs-Bereich (Forschungsdaten)

Aus klinischen Studien:

  • 1 mg täglich (niedrigste effektive Dosis in Kachexie-Studien)
  • 3 mg täglich (häufige Studiendosis bei Sarkopenie)
  • Bis 18 mg in einigen Phase-1-Studien
  • Selbstanwendungs-Community: typisch 10 bis 25 mg
  • Einnahme: einmal täglich, mit oder ohne Essen
  • Zyklusdauer in Studien: bis 4 Monate kontinuierlich

Steady-State nach 4 bis 5 Tagen. Effekt auf Lean Mass messbar nach 4 bis 8 Wochen.

Nebenwirkungen

Aus klinischen Studien und post-marketing-Berichten:

  • Suppression der körpereigenen Testosteron-Produktion (dosisabhängig, 30 bis 50 Prozent Reduktion bei 3 mg)
  • Erhöhung der Leberenzyme ALT/AST (in den meisten Studien transient, in einigen Fällen anhaltend)
  • Reduktion von HDL-Cholesterin (ähnlich wie bei Anabolika, aber milder)
  • Wassereinlagerungen
  • Lethargie, Müdigkeit
  • Akne und Haarausfall in Einzelfällen (androgener Effekt, weniger als bei Steroiden)
  • Selten: Cholestatischer Ikterus

Die FDA hat 2017 eine Warnung herausgegeben wegen Berichten über schwere Leberschäden bei Selbstanwendung von SARMs aus dem Online-Handel. Reinheit der Produkte aus nicht-pharmazeutischer Quelle ist hier ein zentrales Problem.

Halbwertszeit & Pharmakokinetik

Eliminationshalbwertszeit: rund 24 Stunden. Orale Bioverfügbarkeit hoch (mehrere Studien zeigen über 70 Prozent). Verstoffwechselung über die Leber, primär über CYP3A4.

Steady-State nach 4 bis 5 Tagen einer Tagesdosis. Ausscheidung renal und biliär als Metaboliten.

Nachweisbarkeit im Urin: rund 30 Tage nach Absetzen (relevant für Athleten unter Doping-Kontrolle).

Häufige Fragen

Ist MK-2866 ein Steroid? Nein. MK-2866 ist ein nicht-steroidales SARM. Es bindet zwar den gleichen Rezeptor wie Testosteron, hat aber eine andere chemische Struktur und ein anderes Wirkungsprofil.

Brauche ich eine Post-Cycle-Therapy (PCT)? Studien zeigen Suppression der Testosteron-Produktion. Bei kurzen Zyklen erholt sich die HPG-Achse meist binnen 4 bis 8 Wochen. Bei längeren Anwendungen oder höheren Dosen kann sich die Erholung verzögern. Eine formale PCT mit SERMs (Clomifen, Tamoxifen) ist in der Community üblich, klinisch aber nicht evidenzbasiert.

Wie hoch ist das Hepatotoxizitäts-Risiko? Real, aber meist mild und reversibel. Bei 3 mg täglich über 3 Monate sind transienten ALT-Erhöhungen häufig. Schwere Leberschäden in Einzelfällen, vermutlich oft durch verunreinigte Produkte aus nicht-pharmazeutischen Quellen.

Hilft MK-2866 nur beim Aufbauen oder auch beim Erhalt im Defizit? Klinische Daten zeigen sowohl Aufbau bei normokalorischer Ernährung als auch besseren Lean-Mass-Erhalt im Kaloriendefizit. Effektgröße aber moderat.

Ist MK-2866 für Frauen geeignet? In niedrigen Dosen (1 bis 3 mg) ist die virilisierende Wirkung gering. In Veru-Studien bei Mammakarzinom-Patientinnen ist die Verträglichkeit gut. Bei höheren Dosen kann Virilisierung auftreten (Stimmvertiefung, Klitoris-Wachstum).

Rechtlicher Status DACH

Stand 2026: MK-2866 ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht als Arzneimittel zugelassen. Vertrieb erfolgt in der Forschungs-Use-Only-Schiene. Bei nachweisbarer therapeutischer Intention greift das AMG.

WADA-Status: SARMs stehen seit 2008 auf der Verbotsliste, Kategorie S1.2 (Other Anabolic Agents). Für Athleten unter Doping-Kontrolle klar verboten, Nachweisbarkeit im Urin etwa einen Monat nach Absetzen.

Eigenimport: §73 AMG-Beschränkungen. Zollkontrollen real, besonders bei größeren Mengen.

Verwandte Wirkstoffe

  • LGD-4033 (Ligandrol): Stärker anabol wirksames SARM
  • RAD-140 (Testolone): Potentestes SARM, hohe Suppression
  • YK-11: Steroidaler Hybrid mit SARM-Eigenschaften
  • GW-501516 (Cardarine): Kein SARM, sondern PPARδ-Agonist
  • S-23: Stark suppressives SARM

Hinweis: Alle Angaben dienen ausschließlich der Forschungs-Information. Diese Peptide sind in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen. Die Inhalte ersetzen keine medizinische Beratung. Anwendung am Menschen ist in Deutschland rechtlich nicht gedeckt.