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HGH-System

MK-677

Auch bekannt als: Ibutamoren

Oraler Ghrelin-Rezeptor-Agonist. Erhoeht IGF-1 langfristig. Nicht-Peptid, oral aktiv.

MK-677

Was ist MK-677

MK-677 ist ein oral aktives, nicht-peptidisches Ghrelin-Rezeptor-Agonist. Trotz häufiger Einordnung in der Peptid-Szene ist MK-677 chemisch eine kleinmolekulare Verbindung, kein Peptid. Es wirkt am gleichen Rezeptor wie das körpereigene Ghrelin und löst eine Ausschüttung von Wachstumshormon (GH) sowie Insulin-like Growth Factor 1 (IGF-1) aus.

Entwickelt wurde MK-677 ursprünglich von Merck (daher das MK-Präfix) in den 1990er-Jahren als potenzielle Therapie für altersbedingten GH-Mangel und Sarkopenie. Klinische Studien liefen bis Phase 2/3, eine Zulassung erfolgte nie. Lizenziert wurde der Wirkstoff später an Reverse Medical (heute Lumos Pharma) und unter dem Namen LUM-201 für pädiatrische Wachstumsstörungen weiterentwickelt.

Chemischer Name: Ibutamoren Mesylate. CAS-Nummer: 159752-10-0. Molekulargewicht: 624,8 g/mol. Wichtig: MK-677 ist kein Anabolikum und kein SARM, auch wenn es oft in der gleichen Schublade landet.

Wirkmechanismus

Ghrelin ist ein Magen-Peptid, das den GHSR-1a-Rezeptor (Growth Hormone Secretagogue Receptor) aktiviert. Diese Aktivierung im Hypothalamus und der Hypophyse stimuliert die pulsatile Ausschüttung von Wachstumshormon. MK-677 imitiert diesen Effekt, ist aber oral bioverfügbar, was Ghrelin selbst nicht ist.

Die GH-Spiegel steigen typischerweise innerhalb der ersten Stunde nach Einnahme an. Über die Leber wird daraufhin IGF-1 produziert. Bei längerer Anwendung steigt der IGF-1-Spiegel um 40 bis 90 Prozent gegenüber Baseline, je nach Dosis und Individuum.

Zusätzlich aktiviert MK-677 den Ghrelin-Rezeptor auch peripher, was zu klassischen Ghrelin-Effekten führt: Appetitsteigerung, leichte Erhöhung von Cortisol und Prolaktin, sowie eine Beeinflussung von Schlaf-Architektur (mehr REM- und Tiefschlaf-Anteile in mehreren Studien).

Anwendungsgebiete in der Forschung

  • Sarkopenie und altersbedingter GH-Mangel: Steigerung von Muskelmasse und Knochendichte bei älteren Erwachsenen
  • Pädiatrische Wachstumsstörungen: Lumos Pharma entwickelt LUM-201 für idiopathische Kleinwüchsigkeit
  • Adipositas und Kachexie: Appetit-Steigerung bei chronisch Kranken
  • Schlafarchitektur: Verbesserung von Tiefschlaf-Anteilen
  • Knochendichte: Studien bei postmenopausalen Frauen mit Osteoporose
  • Erholung nach Verletzungen: GH-bedingte regenerative Effekte

Studienlage

Die wissenschaftliche Basis ist solider als bei vielen anderen "Forschungs-Peptiden", weil MK-677 in regulierten klinischen Studien getestet wurde.

Wichtige Arbeiten:

  • Murphy et al. (Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 1998): Eine der ersten Studien zur GH/IGF-1-Erhöhung am Menschen, dosisabhängiger Effekt nachweisbar
  • Nass et al. (Annals of Internal Medicine, 2008): 12-Monats-Studie bei älteren Erwachsenen, signifikante Steigerung der fettfreien Masse, kein Effekt auf funktionelle Endpunkte
  • Sigalos & Pastuszak (Sexual Medicine Reviews, 2018): Review zu MK-677 und Hormon-Effekten
  • Adunsky et al. (Archives of Gerontology and Geriatrics, 2011): Studie bei Hüftfraktur-Patienten, gemischte Ergebnisse

Was klar ist: MK-677 erhöht GH und IGF-1 zuverlässig. Die fettfreie Masse nimmt zu. Was unklar bleibt: ob diese Veränderungen in funktionelle Verbesserungen (Kraft, Mobilität, klinische Outcomes) übersetzen. Die Nass-Studie zeigte hier keinen klaren Vorteil. Daneben gibt es Bedenken bezüglich Insulin-Resistenz bei längerer Anwendung.

Anmischen (Reconstitution)

MK-677 ist oral aktiv, daher kein klassisches Anmischen wie bei Peptiden. Übliche Darreichungsformen:

  • Pulver, abgewogen über Feinwaage (0,001 g Auflösung)
  • Lösung in MCT-Öl, Propylenglykol oder Ethanol
  • Vorgefertigte Tropflösungen typisch 10 oder 25 mg/ml
  • Lagerung dunkel, kühl, dicht verschlossen

Bei eigener Anmischung aus Rohpulver: Genauigkeit ist kritisch, weil die wirksame Dosis im Milligramm-Bereich liegt.

Dosierungs-Bereich (Forschungsdaten)

Klinische Studien verwendeten:

  • 10 mg täglich (Nass et al., 12-Monats-Studie)
  • 25 mg täglich (häufig in der Selbstanwendungs-Community)
  • Bis 50 mg in einzelnen Studien, aber ohne klaren Mehrwert
  • Einnahme: einmal täglich, abends bevorzugt wegen Schlafeffekten
  • Zyklusdauer: in Studien bis 12 Monate kontinuierlich getestet

Wegen sehr langer Halbwertszeit reicht eine Dosis pro Tag.

Nebenwirkungen

Aus den klinischen Studien gut dokumentiert:

  • Vermehrter Appetit (häufig, meist im ersten Monat)
  • Wassereinlagerung, leichte Ödeme
  • Vorübergehende Lethargie und Müdigkeit
  • Erhöhter Nüchternblutzucker und reduzierte Insulin-Sensitivität
  • Erhöhung von Cortisol und Prolaktin (klinisch meist nicht relevant)
  • Karpaltunnel-ähnliche Symptome bei höheren Dosen (GH-Effekt)
  • Bei Patienten mit Herzinsuffizienz potenziell verschlechterte Symptomatik (eine Studie wurde deshalb abgebrochen)

Theoretische Risiken: Verschlimmerung von subklinischer Insulin-Resistenz, mögliche Förderung von hormonsensitiven Tumoren (bei aktiver Erkrankung Vorsicht).

Halbwertszeit & Pharmakokinetik

Eliminationshalbwertszeit: rund 4 bis 6 Stunden, aber die GH/IGF-1-Stimulation hält 24 Stunden an, daher reicht eine Tagesdosis. Orale Bioverfügbarkeit etwa 8 Prozent, was klingt niedrig, aber wegen der hohen Potenz und der GH-Pulse ausreicht.

Verstoffwechselung über die Leber (CYP3A4-Beteiligung). Interaktionen mit CYP3A4-Inhibitoren möglich (Ketoconazol, Grapefruitsaft theoretisch relevant).

Steady-State nach 2 bis 3 Tagen. Effekt auf IGF-1 zeigt sich messbar nach 1 bis 2 Wochen, plateauiert nach 6 bis 8 Wochen.

Häufige Fragen

Ist MK-677 ein Steroid? Nein. MK-677 ist ein Ghrelin-Rezeptor-Agonist, kein anaboles Steroid und kein SARM. Es wirkt indirekt über die Stimulation von körpereigenem Wachstumshormon.

Wie lange ein Zyklus? In Studien wurden bis 12 Monate kontinuierlich getestet. In der Selbstanwendung typisch 8 bis 16 Wochen, dann Pause, oft wegen Wassereinlagerungen und Appetit-Steigerung.

Muss ich auf Insulin-Resistenz achten? Ja. Bei längerer Anwendung verschlechtert MK-677 die Insulin-Sensitivität messbar. HbA1c und Nüchternblutzucker sollten überwacht werden, besonders bei Prädiabetes-Risiko.

Wann nehme ich MK-677? Abends ist üblich, wegen Schlaf-Effekten und passend zum natürlichen GH-Peak in der Nacht. Manche nehmen es morgens, um nächtliche Effekte zu vermeiden.

Werde ich davon hungrig? Ja, der Ghrelin-Effekt steigert den Appetit deutlich, besonders in den ersten 2 bis 4 Wochen. Das ist gewollt bei Kachexie, unerwünscht beim Cut.

Rechtlicher Status DACH

Stand 2026: MK-677 hat in Deutschland, Österreich und der Schweiz keine arzneimittelrechtliche Zulassung. Es wird in der Forschungs-Use-Only-Schiene vertrieben, das ist eine juristische Grauzone.

WADA-Status: MK-677 steht auf der Verbotsliste, Kategorie S2 (Peptidhormone, Wachstumsfaktoren). Für Athleten unter Doping-Kontrolle klar verboten.

Eigenimport: §73 AMG, bei Therapie-Intention nicht gedeckt.

Verwandte Wirkstoffe

  • Ipamorelin: Peptidischer Ghrelin-Mimetikum, injektabel
  • GHRP-2 / GHRP-6: Ältere Ghrelin-Mimetika
  • CJC-1295: GHRH-Analog, häufig mit Ipamorelin kombiniert
  • Hexarelin: Potenterer Ghrelin-Mimetikum, kürzere Anwendung
  • Tesamorelin: GHRH-Analog, zugelassen für HIV-bedingte Lipodystrophie

Hinweis: Alle Angaben dienen ausschließlich der Forschungs-Information. Diese Peptide sind in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen. Die Inhalte ersetzen keine medizinische Beratung. Anwendung am Menschen ist in Deutschland rechtlich nicht gedeckt.